Berufseinsteiger in Europa Junge Deutsche haben gut lachen

Geld, Sicherheit, Arbeitgeber – wovon Berufsstarter von Portugal bis Finnland träumen, verrät die größte Umfrage unter Europas Absolventen.

29.06.2014, von Sven Astheimer

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Gute Aussichten: Deutsche Absolventen stehen in Europa derzeit gut da

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Europas Jugend ist mobil wie nie. Immer mehr Absolventen sind bereit, für ihre erste Stelle nach dem Abschluss an der Universität in ein anderes Land zu ziehen. Das zeigen die Ergebnisse der größten Befragungen in dieser Zielgruppe, die der F.A.Z. und FAZ.net exklusiv vorliegen. Zu den großen Ausnahmen gehören allerdings angehende Betriebswirte und Ingenieure aus Deutschland. Deren Bereitschaft, für einen attraktiven Arbeitsplatz umzuziehen, ist in den vergangenen fünf Jahren sogar deutlich gesunken. Nur noch knapp jeder Zweite wäre zu diesem Schritt bereit. Der Durchschnitt in Europa liegt dagegen bei rund 70 Prozent Wechselwilligen.

Folgen:

Zusammen mit ihren Altersgenossen in Österreich und der Schweiz bilden die jungen Deutschen damit die Gruppe der am wenigsten mobilen Nachwuchsakademiker Europas. Bevor sie für ein Angebot auswandern, schlagen viele es lieber aus. Für Jörn Klick vom Marktforschungsinstitut Trendence bildet diese Einstellung die derzeitige wirtschaftliche Situation der Länder ab. „Je besser es der Wirtschaft geht, desto geringer sind die Bereitschaft und die Notwendigkeit, für einen Job ins Ausland zu wechseln“, sagt Klick. Für die Untersuchung wurden mehr als 300.000 Absolventen der Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften in ganz Europa befragt.

Autokonzerne werden immer beliebter

Ein Grund für die Bequemlichkeit hiesiger Absolventen könnte auch darin liegen, dass sie immer mehr attraktive Arbeitgeber vor der eigenen Haustür haben. Zwar führen wie in der Vergangenheit schon die IT-Konzerne Google und Apple das Ranking der beliebtesten Arbeitgeber an. Doch dahinter passiert einiges. „Deutsche Unternehmen werden bei den europäischen Studierenden immer beliebter“, sagt Klick. Allen voran die Automobilhersteller BMW und Volkswagen, die nach Google am stärksten in der Beliebtheit zulegten. Aber auch Unternehmen wie Siemens und BASF konnten sich deutlich verbessern. Gerade die Automobilhersteller seien zudem in der direkten Ansprache der Hochschulabsolventen sehr erfolgreich und täten viel dafür, um die Beliebtheit ihrer Arbeitgebermarke weiter zu steigern. Unter den 25 besten Aufsteigern im Ranking der Wirtschaftsstudenten kommt rund die Hälfte aus Deutschland.

Banken verlieren an Attraktivität

Dagegen geht der Abstieg der Banken auch in diesem Jahr weiter. Seit der Finanzkrise büßt die Branche an Attraktivität ein, auch wenn einige große Institute wie die Deutsche Bank ihre Werte verbessern konnten. Aber die Erste Bank aus Österreich, die Narodowy Bank Polski, die ING aus den Niederlanden und die französische Société Générale führen das Klassement der größten Verlierer an. Dazu dürfte beitragen, dass fast alle großen Institute in letzter Zeit vermehrt Arbeitsplätze vor allem im lukrativen Investmentbanking abgebaut haben.

Diese erhöhte Unsicherheit des Arbeitsplatzes, die ständigen öffentlichen Diskussionen um die Höhe der Vergütung sowie die fragwürdigen ethischen Standards lassen die Finanzbranche in der Gunst sinken. Attraktive Arbeitsaufgaben, Führungsqualitäten und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben verorten die Nachwuchsmanager mittlerweile in anderen Branchen, urteilen die Trendence-Spezialisten. Demnach stehen Wirtschaftsprüfungsunternehmen hoch in der Gunst, aber auch die großen Medienunternehmen. Die britische BBC ist der beste Aufsteiger unter den BWLern. „Viele Medienhäuser entwachsen ihrem etwas verstaubten Image und haben sich als digitale Unternehmen neu positioniert“, sagt Jörn Klick. Das wirke auf viele Absolventen anziehend.

Unter den angehenden Ingenieuren verloren Energieunternehmen wie Eon und die französischen Versorger EDF und GDF an Popularität wie auch der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und der Pharmahersteller Glaxo-Smith-Kline. Größter Verlierer ist allerdings der Baukonzern Skanska.

Südeuropäer sind pessimistisch

Am deutlichsten zu spüren sind die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise noch immer in Südeuropa. Die Arbeitsmärkte haben sich in den Mittelmeerländern noch immer nicht von den Folgen der Rezession erholt. In Spanien und Griechenland pendeln die Arbeitslosenquoten für Personen unter 25 Jahren noch immer um die Marke von 50 Prozent. Dementsprechend niedrig sind dort auch die Erwartungen, eine gute Stelle zu finden. Spanische BWLer gehen etwa im Durchschnitt davon aus, dass sie 75 Bewerbungen schreiben müssen, bis sie eine Stelle finden. Das sind sogar sechs mehr als in der Befragung ein Jahr zuvor.

Ganz anders ist die Lage dagegen zum Beispiel in Norwegen mit gerade einmal 15 erwarteten Bewerbungsschreiben. Deutschland liegt mit 35 noch unter dem europäischen Durchschnitt. Wie sehr die unterschiedliche Ausprägung der Krise in den einzelnen Ländern das Bewusstsein ganzer Generationen prägt, zeigen die Antworten auf die Frage, ob dadurch das Vertrauen in die Arbeitgeber abgenommen hat. Während gerade mal jeder fünfte Deutsche darauf mit Ja antwortet, räumten 70 Prozent der Griechen und fast 60 Prozent der Spanier einen solchen Vertrauensverlust ein.

Einstiegsgehälter steigen wieder

Die Gehaltserwartungen unter den jungen Europäern legen insgesamt wieder zu und nähern sich dem Niveau vor der Wirtschaftskrise. Vor allem die Ansprüche der Wirtschaftswissenschaftler machen einen deutlichen Sprung nach oben. Allerdings waren die Vergütungen seit 2009 auch deutlich gesunken. Im Durchschnitt gehen die Arbeitsmarktneulinge von einem Jahreseinkommen von 27.600 Euro aus, das sind 6 Prozent mehr als 2013. Die Unterschiede sind jedoch gewaltig. Während im Hochlohnland Schweiz umgerechnet mehr als 66.000 Euro aufgerufen werden, wären die polnischen Jungkollegen schon mit knapp 9000 Euro zufrieden. Deutsche Absolventen gehen von 44.000 Euro aus, was leicht unter dem Vorjahr liegt.

Weniger deutlich waren nach der Krise die Einbußen bei den Ingenieuren ausgefallen. Entsprechend geringer legten sie nun zu. Allerdings ist auch hier das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. Derzeit gehen europäische Ingenieure und IT-Fachleute im Durchschnitt von einem Einstiegsgehalt von 28.100 Euro aus, das bedeutet ein Plus von 0,7 Prozent. Auch hier führt die Schweiz (66.000) vor Norwegen (60.200) und Dänemark (53.000). In Deutschland werden rund 46.000 Euro erwartet. Am niedrigsten sind die Gehaltsvorstellungen in Bulgarien und Polen mit jeweils weniger als 10.000 Euro Jahreseinkommen.

Schlechtes Image? Hauptsache das Geld stimmt

Interessant ist auch die Frage, ob die Absolventen bereit wären, für ein Unternehmen mit einem schlechten Image zu arbeiten, wenn das Gehalt hoch genug ist. Fast jeder dritte deutsche Nachwuchsbetriebswirt (30,1 Prozent) stimmte dem zu. Das ist einer der höchsten Werte und fast vier Punkte über dem Durchschnitt. Nur Spanier, Russen, Schweden und Finnen scheren sich noch weniger um das Ansehen ihres Arbeitgebers.

Drei von vier Befragten gehen davon aus, dass sie später einmal den Lebensstandard ihrer Eltern erreichen werden. Allerdings ist hier die Spanne zwischen den Ländern gewaltig. Während junge Dänen mit 94 Prozent deutlich am optimistischsten in die Zukunft blicken, sind Rumänen und Griechen am skeptischsten. Nur jeweils jeder Zweite glaubt dort, dass er das Niveau der Vorgängergeneration schaffen kann.

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Quelle: F.A.Z.

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